Quelle: Neue Westfälische, 24. November 2008
Quelle: Neue Westfälische, 18. März 2008
Reden ist grün, Schweigen ist rot
Lärmampeln können helfen, den Geräuschpegel im Klassenzimmer zu senken und die Konzentration der Schüler zu erhöhen
Während des Unterrichts hat die Ampel
meist Grün gezeigt, doch gegen Ende der
Stunde wechselt sie über Gelb auf Rot. In
der ersten Klasse der Grundschule Hiddesen
in Detmold ist es deutlich lauter geworden
– und die Lärmampel reagierte sofort.
„Wenn die Kinder vierzig Minuten gearbeitet
haben und es in die Pause geht, dann
wird es eben lauter“, sagt Schulleiter Stefan
Fromme, während die Schüler ihre Stifte
wegpacken und schwatzen.
In der Grundschule Hiddesen steht eine
so genannte Lärmampel, die den Geräuschpegel
misst und beim Überschreiten einer
Schwelle von 65 Dezibel auf Gelb und von
80 Dezibel auf Rot schaltet. „Wir wollen die
Kinder darauf aufmerksam machen, dass
Lärm störend und auch für die Lehrer eine
Belastung sein kann“, sagt der Leiter des
Tinnituszentrums Detmold, Manfred Pilgramm,
der das Projekt aus der Taufe gehoben
hat. Zu viel Lärm belaste die Stimmen
der Pädagogen und führe zu „Hyperakusis“
(Lärmempfindlichkeit). Die Folge sei in vielen
Fällen die Frühpensionierung.
Neben Hiddesen wurden noch 13 weitere
städtische Grundschulen mit Lärmampeln
versorgt. Zwei bis drei Monate sollen sie im
Unterricht erprobt werden. Sollten sie für eine
deutliche Verbesserung der Atmosphäre
sorgen, könnte das Projekt ausgeweitet werden,
betont Mediziner Pilgramm.
In derGrundschule Hiddesen sind die ersten
Erfahrungen positiv. „Die Kinder achten
schon darauf, ob die Ampel auf Rot
schaltet“, sagt Klassenlehrerin Susanne Blome-
Knöllner. Dadurch sei der Lärm in den
Stunden deutlich zurückgegangen. Und die
Schüler folgten disziplinierter dem Unterricht.
Auch bei den Kleinen kommt die Ampel,
deren drei Lampen Smiley-Gesichter
zeigen, an. „Ich finde es nicht schön, wenn
die Ampel Rot zeigt“, meint der sechsjährige
Tristan. Und Christian hat schon das richtige
Verhalten erkannt. „Ich bin ruhiger,
wenn die Ampel rot ist“, sagt er. Wobei die
Ampel nicht auf ein einzelnes Geräusch reagiert,
sondern auf den allgemeinen Pegel.
„Wir wollen die Kinder nicht konditionieren.
Unser Ziel ist es, dass sie ein Gefühl
dafür bekommen, wenn es in der Klasse zu
laut ist“, sagt Schulleiter Fromme. Die Ampel
sei sicherlich nicht die Lösung für alle
Unterrichtsprobleme, biete aber zumindest
eine „Möglichkeit, konzentrierter zu arbeiten“,
ergänzt Mediziner Pilgramm. Dass
Kinder heute mehr Schwierigkeiten haben,
sich auf eine Sache zu konzentrieren, hat
auch Lehrerin Blome-Knöllner beobachtet:
„Die Kinder sind lauter und unaufmerksamer
geworden. Ihre Lebenssituation hat
sich verändert.“
Entwickelt und gebaut wurde die Lärmampel
von der Org-Delta GmbH in Reichenbach/
Fils, die nach eigenen Angaben bereits
mehr als tausend Ampeln dieser Art in
Deutschland verkauft hat. Eingesetzt wird
sie in Kindergärten und Schulen. „Wir haben
die Ampel entwickelt, weil wir uns gefragt
haben,wie man Lärm sichtbar und bewusst
machen kann“, sagt Geschäftsführerin
Anja Winter. Und weil auch der Umweltschutz
immerwichtiger wird, hat Org-Delta
unlängst eine Lärmampel entwickelt, die
auch die Belastungmit Kohlendioxid in den
Klassen anzeigt. Sinkt die Luftqualität unter
einen bestimmten Wert, gibt die Ampel
Signal, so dass gelüftet werden kann. Frischluft
fördert schließlich das Denkvermögen -
und wer besser denkt, kann auch ruhiger arbeiten.
Quelle: Michael Bosse/ddp in Süddeutsche Zeitung, 8. März 2007
Durchweg sinnvolle Anschaffung
Lärmampeln für Grundschule In der Senne
Augustdorf. Da war die Spannung groß, als gleich 13 Lärmampeln auf einmal Einzug in die Grundschule In der
Senne in Augustdorf hielten. „Erst waren die Kinder ja ein wenig skeptisch“, heißt es in einer Pressemitteilung der Schulleitung.
Aber als die so genannten Lärmampeln, die die Lautstärke mit Rot (zu laut), Gelb (kritisch) und Grün (richtige Lautstärke) bewerten, dann aber in den Klassenräumen angebracht
worden waren, wurden die Kinder ganz schnell viel ruhiger, so dass mittlerweile ein überwiegend angenehmes „Ton-Klima“ für Lehrer und Schüler in der Klasse herrscht.
„Die Kinder kontrollieren sich selbst, nur ein Blick zur Ampel und schon wird es leiser. Durch die angenehmere Geräuschkulisse können sich Schüler und Lehrer besser auf
den Unterricht konzentrieren und der Gesundheit kommt es auch noch zu Gute, da bekanntlich Lärm auf Dauer krank macht“, heißt es weiter.
Die Lärmampeln wurden vom Verein der Freunde und Förderer der Grundschule in der Senne gestiftet. „Die Anschaffung der Lärmampeln ist eine durchweg
sinnvolle Anschaffung, von der jedes Kind der Grundschule in der Senne profitiert“, betont der Vorstand des Fördervereins.
„Wenn auch Sie sich für die Arbeit des Vereins der Freunde und Förderer der Grundschule in der Senne interessieren, stehen wir Ihnen gerne zu Verfügung.
Unsere Adressen und Kontaktdaten finden Sie am schwarzen Brett in der Grundschule direkt beim Lehrerzimmer“, sucht der Förderverein noch nach engagierten Mitstreitern.
Quelle: Lippische Landes-Zeitung, 6. März 2007
Rote Lärmampel stoppt Lärm
Horn-Bad Meinberg. Lärm
erzeugt Stress und verursacht
körperliche Belastungen. Deshalb
ist Lärmbelästigung und
der Umgang mit Lärm ein
Schwerpunktthema des Projektes
„Gute und gesunde Schule“
des Netzwerkes Horn-Bad
Meinberger Schulen. Der SPD Ortsverein
Horn (links Vorsitzender
Manfred Vogt) unterstützt
diese Initiative und spendete
der Turmschule die Mittel
zur Anschaffung zweier Lärmampeln.
Es können verschiedene
Lärmpegel eingestellt werden,
bei deren Überschreitung
die Ampel auf Gelb, dann auf
Rot umspringt. Den Schülern
wird klar gemacht, dass sie zu
laut sind. Schulleiter Henning
Grotevent bedankte sich: „Die
Schüler kontrollieren ihr Verhalten
und werden zu einem ruhigeren
und gesunden Schulalltag
motiviert.“
Quelle: Lippische Landes-Zeitung, 2. März 2007
14 Grundschulen erproben "Lärmampel"
Unabhängiger Beobachter zeigt bei Krach Rot
Detmold (ts). In den Industrieländern steigt der Lärmpegel ständig an. Doch nicht nur Autos, Flugzeuge, Hochgeschwindigkeitszüge und Produktionsanlagen sorgen dafür, dass Ohren und Nerven immer größeren Belastungen ausgesetzt werden, mehr oder weniger freiwillig setzen sich viele Menschen zusätzlich einem ständigen Hintergrundgetöse aus Radioweckern, MP3-Playern, Handys, Autoradios, Stereoanlagen und Computern aus. Besonders bei Kindern sinkt durch Lärmbelastung die Reizschwelle, oft kompensieren sie Krach, indem sie selber mehr Krach produzieren. Als Folge sinkt nicht nur ihre Konzentrationsfähigkeit, auch Lehrer klagen über mehr Stress und schlechtere Lernatmosphäre. In einigen Detmolder Grundschulklassen schaltet seit 10 Wochen eine "Ampel" auf Rot, wenn der Krach überhand nimmt.
Wie die Lichtzeichenanlage im Straßenverkehr ist die "Lärmampel" mit einem grünen, einem gelben und einem roten Licht ausgestattet. Wenn die Kinder still vor sich hinarbeiten oder wenn nur der Lehrer oder jeweils ein Kind in normaler Lautstärke spricht, zeigt die Ampel "Grün". Steigt der Lärmpegel springt das Gerät erst auf Gelb und schließlich auf Rot, zusätzlich macht ein Gong darauf aufmerksam, dass es jetzt zu laut für einen sinnvollen Unterricht ist. "Lärm und Lernerfolg schließen sich aus", betont Dr. Josef Hanel vom Schulpsychologischen Dienst der Stadt Detmold.
Zwar sei in der Mehrzahl der Klassen auch ohne Lärmampel ein ruhiger Unterricht möglich, doch je nach Klassenzusammensetzung und der Persönlichkeit der Lehrer könne das objektive Hilfsmittel die störende Lautstärke sichtbar machen und reduzieren helfen, sagte Hanel bei der Vorstellung der Ergebnisse einer zehnwöchigen Testphase. 14 Schulen hatten je ein Exemplar dieses Gerätes erhalten und im Unterricht erprobt und ihre Erfahrungen in Fragebögen dokumentiert.
Danach habe sich die Lernatmosphäre in 85 Prozent der Fälle deutlich verbessert und das Lärmbewusstsein bei Kindern und Pädagogen habe zugenommen. Besonders positiv wurde vermerkt, dass es sich bei der Lärmampel um einen unabhängigen, objektiven Beobachter handelt, der dadurch eine hohe Akzeptanz genießt. Doch nicht nur die Kinder können durch den sinkenden Lärmpegel besser lernen, auch die Pädagogen bescheinigen dem Gerät, dass sich die stimmliche Belastung vermindert habe.
Initiator der Aktion, die in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung durchgeführt wurde, ist Dr. Manfred Pilgramm vom Tinnituszentrum Detmold. Der Hals-Nasen-Ohrenarzt hatte anlässlich seines 50. Geburtstages Spenden für dieses Projekt gesammelt und auf andere Geschenke verzichtet. "Eine aktuelle Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass das Gehör eines durchschnittlichen 20-jährigen Europäers dem eines 60-jährigen Afrikaners entspricht. Auch in Detmold haben bereits knapp 40 Prozent der Schüler deutliche Einbrüche im Hochtonbereich. Diese Gruppe, die ständig größer wird, wird früher oder später auf ein Hörgerät angewiesen sein, wenn nicht sofort ein anderer Umgang mit Lärm und Musik gewählt wird", erklärt Pilgramm bei der Vorstellung der Ergebnisse, die im nächsten Jahr auch auf dem deutschen HNO-Kongress vorgestellt werden. Er freute sich über die positiven Rückmeldungen der Detmolder Grundschulen, die die Lärmampel auch weiterhin einsetzen wollen.
"Jetzt geht es darum, Sponsoren für diese Geräte zu gewinnen. Wenn Sie die Geräte über die Detmolder Bürgerstiftung beziehen, erhalten die Sponsoren auch eine Spendenquittung", so Pilgramm.
Quelle: Lippe Aktuell
In den Klassen wird es ruhiger
Positives Zwischenfazit des Einsatzes der „Lärmampel“ gezogen
Detmold (da). Ein positives
Zwischenfazit des Einsatzes so
genannter „Lärmampeln“ in
Detmolder Grundschulen hat
Dr. Josef Hanel vom Schulpsychologischen
Dienst gezogen.
Bei 85 Prozent der Klassen hätten
sich Lern- und Lehratmosphäre
positiv verändert, teilt
er unter Berufung auf die
Ergebnisse einer Umfrage mit,
an der sich 13 der 14 Grundschulen
beteiligten.
Die „Lärmampeln“, die bei
übermäßiger Lautstärke mit rotem
Licht und Signalton reagieren,
waren Ende August auf Initiative
von Dr. Manfred Pilgramm
vom Tinnituszentrum
Detmold an die Bildungseinrichtungen
ausgegeben worden.
Damit verbundene Ziele bestanden
in der Reduzierung des
Lärms in den Klassen, der Schaffung
einer verbesserten Aufmerksamkeit
bei Kindern sowie
der stimmlichen Entlastung der
Lehrerinnen und Lehrer.
Die von Hanel präsentierten
Resultate – eine weitere Befragung
ist in einem halben Jahr
vorgesehen – lassen darauf
schließen, dass sich diese Aktion
äußerst positiv entwickelt. Vier
von fünf Pädagogen hätten auf
ein größeres Lärmbewusstsein
bei sich und den Schülern verwiesen,
62 Prozent angegeben,
dass die eigene Stimmbelastung
deutlich geringer geworden sei.
Alle wollten die „Lärmampel“
weiter einsetzen, um eine ruhigen
Unterrichtsablauf herbeizuführen.
Die Geräte waren in insgesamt
61 Klassen mit Schwerpunkt
in der zweiten Jahrgangsstufe
getestet worden.
Nach Hanels Ansicht lassen
sich die „Lärmampeln“ bei der
Offenen Ganztagsgrundschule,
bei der Mittagsbetreuung, im
Kindergarten, in weiterführenden
Schulen oder auch bei Konferenzen
einsetzen. Allerdings
sei es wichtig, das Instrument
nicht isoliert verwenden, sondern
es in eine entsprechende
Lerneinheit einzubetten. Letztendlich
sei es ja Absicht, die
„Lärmampel“ überflüssig zu
machen. Hanel: „Guter und ruhiger
Unterricht ist gewiss ohne
den Einsatz dieses Geräts nach
wie vor möglich. Es macht nur
objektiv eine den Lernprozess
störende Lautstärke sichtbar
und hörbar, so dass etwas unternommen
werden kann.“
Die Initiatoren denken inzwischen
schon über Detmold hinaus.
Ihr ehrgeiziges Ziel ist es,
im kommenden Jahr zumindest
alle interessierten Grundschulen
in Lippe zu versorgen.
Quelle: Lippische Landes-Zeitung
Hiddenhausen macht in Lippe Schule
Gemeinde war beim Einsatz von Lärmampeln Vorbild
VON THOMAS DOHNA
Hiddenhausen. Von der Großgemeinde in die
Welt – oder auch bis Lippe. Vor einem Jahr etwa wurde in der Grundschule
Oetinghausen die Lärmampel vorgestellt. Sie zeigt mit einer grünen, gelben und
roten Lampe, ob es noch leise oder schon zu laut ist in der Klasse. Der WDR
berichtete darüber und der Leiter des Tinnituszentrums Detmold, Privatdozent Dr.
Manfred Pilgramm sah den Film und war begeistert.
Seit Jahren beschäftigt sich der
Hals-Nasen-Ohrenarzt mit dem Folgen von Lärm. „Die Zahl der hörgeschädigten
Kinder, der jungen Leute mit Ohrgeräuschen und der stimmgeschädigten Lehrer
nimmt zu“, sagte Pilgramm in einem Gespräch mit Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer.
Während seines 50. Geburtstags ließ Pilgramm sammeln und stellte der Stadt
Detmold das Geld für den Kauf von 14 in ihrer Empfindlichkeit regelbaren
Lärmampeln zur Verfügung. Dr. Josef Hanel vom Schulpsychologischen Dienst der
Stadt begleitete den Einsatz der Geräte zehn Wochen lang. Die Erfahrungen der
Schulen fragten Pilgramm und Hanel mit Hilfe eines Fragebogens ab. Die Schulen
gaben unter anderem an, dass durch den Einsatz der Ampeln das Bewusstsein von
Schülern und Lehrern über Lärm verbessert worden sei. Die Belastung der Stimme
bei den Lehrern sei geringer geworden. Fast alle Schule wollen das Gerät weiter
einsetzen. Die Schulen haben die Ampel auch in den Mittagspausen, in
Freiarbeitsphasen und bei der Hausaufgabenbetreuung eingesetzt und deren Wirkung
dort als besonders positiv empfunden.
Psychologe Hanel sieht Möglichkeiten für
den Einsatz des Gerätes auch in Kindergärten, in weiterführenden Schule oder
auch in den Angeboten der Offenen Ganztagsgrundschule.
Quelle: Neue Westfälische - Herforder Kreisanzeiger, 23.12.2006
Klassenlärm zu Leibe rücken
Ohrenarzt stiftet zwei Messgeräte für Hiddenhausener Grundschulen
Hiddenhausen (gb). Die Lärmampel macht Furore. Von dem Gerät, zum Schuljahr 2005/06 erstmalig in der Grundschule
Oetinghausen eingesetzt, ist der Leiter des Detmolder Tinnituszentrums, Dr. Manfred Pilgramm, so
überzeugt, dass er den Hiddenhauser Grundschulen zwei weitere Geräte schenkt.
Sie sind von der Herforder Firma »Audio Service« entwickelt und gebaut worden. Pilgramm hatte von den Geräten
in einer Fernsehsendung gehört. Zu seinem 50. Geburtstag bat er die Gäste um eine Spende und kaufte davon 14
Ampeln. Die leisten nun in verschiedenen Schulen nützlichen Dienst, darunter auch in Hiddenhausen.
Parallel startete Pillgramm in Zusammenarbeit mit dem schulpsycholigischen Dienst des Kreises Lippe und der
Krankenkasse IKK eine Untersuchung, deren Ergebnisse ermutigend sind. »Eltern, Schüler und Lehrer nehmen die
Ampel positiv auf«, sagt Pilgramm. An 13 Grundschulen im Raum Detmold war je ein Gerät ausgegeben worden.
Pilgramm will nun möglichst viele Sponsoren finden, die bereit sind, eine Ampel zu finanzieren.
Inzwischen gibt es bereits eine Internetseite, die sich dem Thema widmet. Unter www.laermampel-lippe.de findet man alles
Wissenswerte.
Die Idee habe dem Unternehmen gefallen, sagte Geschäftsführer Rolf Dreckmannvon »Audio-Service« zur
Lärmampel. Darum baue man nun diese Geräte. »Audio-Service« stellt Hörgeräte und Technik zum Hörschutz her.
In Oetinghausen war ein Gerät aus Süddeutschland zum Einsatz gekommen. Generell handelt es sich um einen
etwa 40 Zentimeter hohen Kasten mit den Farben Rot, Gelb und Grün. In den Kasten sind ein Mikrofon und ein
Schallmessgerät eingebaut. Schwillt der Lärmpegel an, springt die Ampel von Grün auf Gelb um. Dann sind bereits
mehr als 50 Dezibel erreicht. Leuchtet die Ampel rot, ist die Grenze von mindestens 65 Dezibel übersprungen.
In Herford vertreibt auch die Firma »easyplay« diese Geräte. Eins aus dieser Produktion ist bereits an der
Wilhelm-Oberhaus-Grundschule im Einsatz. 100 Bestellungen gingen bei »easy-play« ein, nachdem sie 1 000
Adressaten informiert hatte. Im Gebiet der Großgemeinde teilen sich künftig die Grundschulen Oetinghausen und
Sundern, Lippinghausen und Schweicheln sowie Hiddenhausen und Eilshausen je ein Gerät.
Quelle: WestfalenBlatt - Herforder Lokalteil, 27.12.2006
Detmolder Schule testet Lärmampel
In der
Grundschule Hiddesen in Detmold sorgt seit rund drei Wochen ein
schulinternes Ampelsystem für Ordnung. Die so genannte Lärmampel misst
die Geräuschbelästigung in den Schulklassen und schaltet beim
Überschreiten einer Schwelle von 65 Dezibel auf Gelb und von 80 Dezibel
auf Rot.
Frühpensionierung durch Krach
Initiiert hat dieses "Warnsystem" der Leiter des
Tinnituszentrums Detmold, Manfred Pilgramm: "Wir wollen die Kinder
darauf aufmerksam machen, dass Lärm störend und auch für die Lehrer
eine Belastung sein kann." Zu viel Lärm belaste die Stimmen der
Pädagogen und führe zu Lärmempfindlichkeit, die in extremen Fällen
Grund für eine Frühpensionierung werden kann.
Geräuschpegel geht zurück
In der Grundschule
Hiddesen freut man sich über die Lärmampeln. "Die Kinder achten schon
darauf, ob die Ampel auf Rot schaltet", sagt Klassenlehrerin Susanne
Blome-Knöllner. Dadurch sei der Lärm in den Stunden deutlich
zurückgegangen und disziplinierter Unterricht möglich. Das bestätigt
auch Schüler Christian, der die Grundschule Hiddesen besucht: "Ich bin
ruhiger, wenn die Ampel rot ist", gibt er ganz offen zu. Die Lärmampel
ist dabei so programmiert, dass sie nicht auf einzelne Geräusche,
sondern auf den allgemeinen Lärmpegel reagiert. "So sollen die Schüler
ein Gefühl dafür bekommen, wenn es in der Klasse zu laut ist",
erläutert Schuldirektor Stefan Fromme.
14 Schulen testen die Lärmampel
Die Ampel ist sicherlich nicht die Lösung für alle
Unterrichtsprobleme, könnte aber an vielen Schulen "die Möglichkeit
bieten, konzentrierter zu arbeiten", hofft Mediziner Pilgramm. Neben
Hiddesen wurden bislang noch 13 weitere städtische Grundschulen mit
Lärmampeln versorgt. Zwei bis drei Monate werden diese jetzt praxisnah
im Unterricht erprobt. Sollten sie für eine deutliche Verbesserung der
Lernatmosphäre sorgen, soll das Lärmampel-Projekt weiter ausgebaut
werden.
Quelle: WDR online http://www.wdr.de/radio/schule/aktuell/beitrag/laermampel.phtml
Rotes Licht für Schreihälse: Sobald die Ampel auf Rot umschaltet, sollte es ruhiger werden
Während des Unterrichts hat die Ampel weitgehend Grün gezeigt, doch zum Ende
der Stunde wechselt sie über Gelb auf Rot. In der Klasse 1c der
Grundschule Hiddesen in Detmold ist es deutlich lauter geworden – und
die Lärmampel reagierte sofort. „Wenn die Kinder 40 Minuten gearbeitet
haben und es in die Pause geht, dann wird es eben lauter“, sagt
Schuldirektor Stefan Fromme, während die Schüler ihre Stifte wegpacken
und laut schwatzen.
In der Grundschule Hiddesen steht seit rund drei Wochen eine Lärmampel,
die die Geräuschbelästigung misst und beim Überschreiten einer Schwelle
von 65 Dezibel auf Gelb und von 80 Dezibel auf Rot schaltet. „Wir
wollen die Kinder darauf aufmerksam machen, dass Lärm störend und auch
für die Lehrer eine Belastung sein kann“, erklärt der Leiter des
Tinnituszentrums Detmold, Manfred Pilgramm, der das Projekt aus der
Taufe gehoben hat. Zu viel Lärm belaste die Stimmen der Pädagogen und
führe zu „Hyperakusis“ (Lärmempfindlichkeit). Die Folge sei in vielen
Fällen die Frühpensionierung.
Bessere Atmosphäre
Neben Hiddesen wurden noch
13 weitere städtische Grundschulen mit Lärmampeln versorgt. Zwei bis
drei Monate sollen sie im Unterricht erprobt werden. Sollten sie für
eine deutliche Verbesserung der Atmosphäre sorgen, könnte das Projekt
ausgeweitet werden, betont Pilgramm.
In der Grundschule Hiddesen sind die ersten Erfahrungen positiv. „Die
Kinder achten schon darauf, ob die Ampel auf Rot schaltet“, sagt
Klassenlehrerin Susanne Blome-Knöllner. Dadurch sei der Lärm in den
Stunden deutlich zurückgegangen. Und die Schüler folgten
disziplinierter dem Unterricht.
Konzentrierteres Arbeiten
Auch bei den Kleinen kommt die Ampel, deren drei Lampen
Smiley-Gesichter zeigen, an. „Ich finde es nicht schön, wenn die Ampel
Rot zeigt“, sagt der sechsjährige Tristan. Und sein Schulfreund
Christian hat schon das richtige Verhalten erkannt. „Ich bin ruhiger,
wenn die Ampel rot ist“, gibt er zu.
Die Lärmampel reagiert nicht nur auf ein einzelnes Geräusch, sondern
auf den allgemeinen Lärmpegel. „Wir wollen die Kinder nicht
konditionieren. Unser Ziel ist es, dass sie ein Gefühl dafür bekommen,
wenn es in der Klasse zu laut ist“, erläutert Direktor Fromme. Die
Ampel sei sicherlich nicht die Lösung für alle Unterrichtsprobleme,
biete aber zumindest eine „Möglichkeit, konzentrierter zu arbeiten“,
ergänzt Mediziner Pilgramm.
Unaufmerksamkeit durch Medien
Dass die Kinder in Zeiten von Internet, iPod und SMS-Kommunikation
immer mehr Schwierigkeiten haben, sich auf eine Sache zu konzentrieren,
hat auch Lehrerin Blome-Knöllner beobachtet: „Die Kinder sind lauter
und unaufmerksamer geworden. Die Lebenssituation für sie hat sich
verändert.“
Entwickelt und gebaut wurde die Lärmampel von der Org-Delta GmbH in
Reichenbach/Fils, die nach eigenen Angaben bereits mehr als 1000 Ampeln
dieser Art in Deutschland verkauft hat. Die Lärmampel kostet 399 Euro.
Eingesetzt wird sie in Kindergärten und Schulen. „Wir haben die Ampel
entwickelt, weil wir uns gefragt haben, wie man Lärm sichtbar und
bewusst machen kann“, sagt Geschäftsführerin Anja Winter.
Quelle: ddp auf FOCUS-SCHULE ONLINE 22.09.2006
Rotlicht gegen den Krach - Lärmampeln in Detmolder Grundschulen
Während des Unterrichts hat die Ampel weitgehend Grün gezeigt, doch zum Ende der Stunde wechselt sie über Gelb auf Rot. In der Klasse 1c der Grundschule Hiddesen in Detmold ist es deutlich lauter geworden- und die Lärmampel reagierte sofort. "Wenn die Kinder 40 Minuten gearbeitet haben und es in die Pause geht, dann wird es eben lauter", sagt Schuldirektor Stefan Fromme, während die Schüler ihre Stifte wegpacken und laut schwatzen. In der Grundschule Hiddesen steht seit rund drei Wochen eine so genannte Lärmampel, die die Geräuschbelästigung misst und beim Überschreiten einer Schwelle von 65 Dezibel auf Gelb und von 80 Dezibel auf Rot schaltet. "Wir wollen die Kinder darauf aufmerksam machen, dass Lärm störend und auch für die Lehrer eine Belastung sein kann", erklärt der Leiter des Tinnituszentrums Detmold, Manfred Pilgram, der das Projekt aus der Taufe gehoben hat. Zu viel Lärm belaste die Stimmen der Pädagogen und führe zu "Hyperakusis" (Lärmempfindlichkeit). Die Folge sei in vielen Fällen die Frühpensionierung. Neben Hiddesen wurden noch 13 weitere städtische Grundschulen mit Lärmampeln versorgt. Zwei bis drei Monate sollen sie im Unterricht erprobt werden. Sollten sie für eine deutliche Verbesserung der Atmosphäre sorgen, könnte das Projekt ausgeweitet werden, betont Pilgram.
In der Grundschule Hiddesen sind die ersten Erfahrungen positiv. "Die Kinder achten schon darauf, ob die Ampel auf Rot schaltet", sagt Klassenlehrerin Susanne Blome-Knöllner. Dadurch sei der Lärm in den Stunden deutlich zurückgegangen. Und die Schüler folgten disziplinierter dem Unterricht. Dass die Kinder in Zeiten von Internet, iPod und SMS-Kommunikation immer mehr Schwierigkeiten haben, sich auf eine Sache zu konzentrieren, weiß die Klassenlehrerin: "Die Kinder sind lauter und unaufmerksamer geworden. Die Lebenssituation hat sich verändert". Entwickelt und gebaut wurde die Lärmampel von der Org-Delta GmbH in Reichenbach/Fils, die nach eigenen Angaben bereits mehr als 1000 Ampeln dieser Art in Deutschland verkauft hat. Die Lärmampel kostet 399 Euro plus Mehrwertsteuer. Eingesetzt wird sie in Kindergärten und Schulen. "Wir haben die Ampel entwickelt, weil wir uns gefragt haben, wie man Lärm sichtbar und bewusst machen kann", sagt Geschäftsführerin Antje Winter.
Und weil auch der Umweltgedanke immer wichtiger wird, hat Org-Delta unlängst eine Lärmampel entwickelt, die auch die Belastung mit Kohlendioxid in den Klassen anzeigt. Sinkt die Luftqualität unter einen bestimmten Wert, gibt die Ampel Signal, so dass gelüftet werden kann. Frischluft fördert schließlich das Denkvermögen- und wer besser denkt, kann auch ruhiger arbeiten.
Quelle: Bildungsportal des Schulministeriums NRW
Bei Krach springt die Ampel auf Rot
Schüler sollen für Lärmbelästigung sensibilisiert werden
Detmold. Während des Unterrichts hat die Ampel weitgehend Grün gezeigt, doch zum Ende der Stunde wechselt sie über Gelb auf Rot. In der Klasse 1c der Grundschule Hiddesen in Detmold ist es deutlich lauter geworden - und die Lärmampel reagierte sofort.
"Wenn die Kinder 40 Minuten gearbeitet haben und es in die Pause geht, dann wird es eben lauter", sagt Schuldirektor Stefan Fromme, während die Schüler ihre Stifte wegpacken und laut schwatzen. In der Grundschule Hiddesen steht seit rund drei Wochen eine so genannte Lärmampel, die die Geräuschbelästigung misst und beim Überschreiten einer Schwelle von 65 Dezibel auf Gelb und von 80 Dezibel auf Rot schaltet. "Wir wollen die Kinder darauf aufmerksam machen, dass Lärm störend und auch für die Lehrer eine Belastung sein kann", erklärt der Leiter des Tinnituszentrums Detmold, Manfred Pilgramm, der das Projekt aus der Taufe gehoben hat. Zu viel Lärm belaste die Stimmen der Pädagogen und führe zu "Hyperakusis" (Lärmempfindlichkeit). Die Folge sei in vielen Fällen die Frühpensionierung.
Neben Hiddesen wurden noch 13 weitere städtische Grundschulen mit Lärmampeln versorgt. Zwei bis drei Monate sollen sie im Unterricht erprobt werden. Sollten sie für eine deutliche Verbesserung der Atmosphäre sorgen, könnte das Projekt ausgeweitet werden, betont Pilgramm. In der Grundschule Hiddesen sind die ersten Erfahrungen positiv. Kinder nichtkonditionieren"Die Kinder achten schon darauf, ob die Ampel auf Rot schaltet", sagt Klassenlehrerin Susanne Blome-Knöllner. Dadurch sei der Lärm in den Stunden deutlich zurückgegangen. Und die Schüler folgten disziplinierter dem Unterricht.
Auch bei den Kleinen kommt die Ampel, deren drei Lampen Smiley-Gesichter zeigen, an. "Ich finde es nicht schön, wenn die Ampel Rot zeigt", meint der sechsjährige Tristan. Und Christian hat schon das richtige Verhalten erkannt. "Ich bin ruhiger, wenn die Ampel rot ist", gibt er zu. Wobei die Lärmampel nicht auf ein einzelnes Geräusch reagiert, sondern auf den allgemeinen Lärmpegel. "Wir wollen die Kinder nicht konditionieren. Unser Ziel ist es, dass sie ein Gefühl dafür bekommen, wenn es in der Klasse zu laut ist", erläutert Direktor Fromme.
Entwickelt und gebaut wurde die Lärmampel von der Org-Delta GmbH in Reichenbach/Fils. Eingesetzt wird sie in Kindergärten und Schulen. Und weil auch der Umweltgedanke immer wichtiger wird, hat Org-Delta unlängst eine Lärmampel entwickelt, die auch die Belastung mit Kohlendioxid in den Klassen anzeigt. Sinkt die Luftqualität unter einen bestimmten Wert, gibt die Ampel Signal, so dass gelüftet werden kann. Frischluft fördert schließlich das Denkvermögen - und wer besser denkt, kann auch ruhiger arbeiten.
Quelle: ddp in Weilburger Tageblatt 23.9.2006
Getuschel stört beim Denken
Das dröhnende Klassenzimmer
Viele Schulräume behindern Lernen und Kommunikation, weil bei der Planung die Akustik vernachlässigt wird.
Vollkommene Stille gibt es im Unterricht nie. Tuscheln, raschelndes Papier und knarrende Stühle verursachen einen erhöhten Geräuschpegel.
Jeder kennt das: Man will in Ruhe lesen - aber es gelingt nicht. Jeder Versuch, sich auf den Inhalt zu konzentrieren, scheitert an dem Zeitgenossen in der Nähe, der permanent am Handy hängt.
Er spricht nicht extrem laut, er spricht nicht besonders emotionsgeladen, und doch stört sein Gerede.
"Jede Art Sprechen stört"
Nicht nur Erwachsene lassen sich durch andere Gespräche leicht ablenken, sondern auch Kinder. Ob das Gebrabbel in der Muttersprache oder einer Fremdsprache erklingt, macht keinen Unterschied, hat die Psychologin Maria Klatte von der Universität Oldenburg herausgefunden.
"Jede Art Sprechen stört bei Aufgaben, die das Kurzzeitgedächtnis beanspruchen", sagt die Forscherin. Gleiches gilt für flotte Musik. Klatte empfiehlt daher, bei Hausaufgaben, die mehr Konzentration erfordern, wenigstens auf getragene Instrumentalmusik umzuschalten.
Die lenke weniger ab. Der Störeffekt dadurch sei ähnlich gering wie kontinuierlicher Schall, der von einer fernen Autobahn ins Zimmer dringt.
Wenn Kinder Neues aufnehmen oder anwenden sollen, reagieren sie besonders empfindlich auf Schallreize. Warum das so ist und wovon der Störeffekt abhängt, untersucht Klatte sowohl in realen Klassenräumen als auch im Labor.
Außergewöhnliche Möglichkeiten bietet der Kommunikationsakustik-Simulator (KAS), den das Kompetenzzentrum Hörtech im Oldenburger Haus des Hörens betreibt. Die Akustik eines Spezialraums kann durch eine elektro-akustische Anlage nahezu beliebig verändert werden.
Es ist bekannt, dass Außenlärm, der durch Fenster und Gemäuer in die Schule dringt, Lernende weniger irritiert als Geräusche, die in der Klasse entstehen wie das Getuschel der Nachbarn, Gruppenarbeit am Nebentisch oder rückende Stühle.
"All dies ist bei selbstbestimmtem Lernen und Freiarbeit verstärkt", sagt Klatte. "Daher müssen Klassenräume so beschaffen sein, dass sie Kommunikation und fortschrittliche Unterrichtsformen fördern - statt sie zu behindern."
Die Optik der Klassenzimmer war wichtiger
Architekten hätten jahrzehntelang nur Wert auf die Optik eines Raumes gelegt, nicht auf seine Akustik, bemängelt der Physiker Christian Nocke, der mit Klatte zusammen arbeitet.
Ausnahmen seien Konzertsäle und große Hörsäle. Dabei müssten Schüler auch heute noch vor allem eins: Zuhören.
Dass Lärm dabei stört, ist keine Frage. Als Wissenschaftler vom Institut für Interdisziplinäre Schulforschung der Universität Bremen kürzlich in mehr als 400 Unterrichtsstunden die Lautstärke gemessen haben, lag der Schalldruckpegel im Mittel bei 65 Dezibel.
In einigen Stunden wurden aber auch Durchschnittswerte von 85 Dezibel erreicht. Zum Vergleich: Gespräche unter Erwachsenen bringen es auf 50 bis 55 Dezibel.
Doch offenbar ist Lautstärke - gemessen als Schalldruckpegel in der Klasse - nicht das Maß aller Dinge. Wichtiger ist die Nachhallzeit. In hallenden Räumen klingen Sprache und andere Geräusche länger nach.
Es wird insgesamt lauter, da der Schall nicht so rasch geschluckt wird. Außerdem hebt man die Stimme, um den Grundlärm zu übertönen. Dabei wird Sprache schlechter verständlich.
"Bei zu langer Nachhallzeit werden beim Sprechen die nachfolgenden Silben durch vorhergehende, die noch weiter nachklingen, verdeckt", sagt Klatte.
Das macht besonders Grundschülern zu schaffen, denn ihre Hörkompetenz ist noch in der Entwicklung, Verarbeitungsschritte sind nicht so automatisiert.
Schon bei leicht verlängerter Nachhallzeit können Schulanfänger einzelne Laute schlechter identifizieren, während sie in Tests mit unverhallten Lauten ebenso gut abschneiden wie ältere Schüler.
Was Kindern das verstehende Hören erschwert, lässt sich am ehesten nachvollziehen, wenn man bedenkt, dass derselbe Laut sehr unterschiedlich klingen kann. Bei Männern etwa liegen die charakteristischen Frequenzen von Vokalen tiefer als bei Frauen, Dialekte variieren den Klang und meist schwingen Emotionen mit.
Ein Kind muss lernen, das Phonem in seinen verschiedenen Ausprägungsformen zu identifizieren. Beim Verstehen hilft neben der Satzstruktur natürlich auch der inhaltliche Kontext. Aber alles zusammenzubringen, ist harte Arbeit.
Schlechte Leistungen bei Hintergrundlärm
Entscheidend für das Verständnis ist der Arbeitsspeicher, in dem gerade Gehörtes im Kurzzeitgedächtnis festgehalten und mit Bekanntem aus dem Langzeitgedächtnis verglichen wird. Doch während die Aufnahmekapazität vom Langzeitgedächtnis theoretisch unbegrenzt ist, ist das Kurzzeitgedächtnis limitiert.
Bei Kindern ist es leicht überfordert, wenn sie einen langen Satz von Anfang bis Ende zwischenspeichern müssen, um ihn zu verstehen. Ihre Kapazität ist geringer als die von Erwachsenen.
Dass in den Zwischenspeicher alle möglichen Wahrnehmungen gelangen, erschwert bei schlechter Raumakustik die Arbeit von Schülern. Vor allem Gerede, das bei Gruppenarbeit unumgänglich ist, stört.
"Wenn andere sprechen, wird das Kurzzeitgedächtnis beschäftigt, da Sprache für uns immer potenziell bedeutungsvoll ist", sagt Klatte. Dies erklärt auch, warum ein Handy-Gespräch die Lektüre vergällen kann.
"Bei Erwachsenen spielt das Kurzzeitgedächtnis allerdings nur beim Lesen sehr anspruchsvoller Texte eine Rolle", sagt die Wissenschaftlerin.
Tests mit Grundschulkindern ergaben, wie leicht sie an ihre Grenzen gelangen: Wenn sie sich an Wortgebilde oder Ziffern, die sie gerade über Kopfhörer gehört hatten, erinnern sollten, sackten ihre Leistungen deutlich ab, sofern die Testwörter mit leisem Sprachgewirr unterlegt oder der Nachhall verlängert war. Rauschähnlicher Schall mit gleichem Pegel störte die Probanden nicht.
Die Effekte des Nachhalls untersucht Klatte mit Psychologen der Universität Eichstätt und Akustikern des Fraunhofer Instituts für Bauphysik in Stuttgart auch an acht Grundschulen im Umkreis von Stuttgart. Nach ersten Auswertungen ist klar, dass bei Erst- und Zweitklässlern das so genannte Hörverstehen in Klassenräumen mit geringem Nachhall viel besser ist.
Wenn die Kinder ein Wort hörten, zum Beispiel See, konnten sie das zugehörige Bild aus einer Auswahl von Bildern mit ähnlich klingenden Bezeichnungen - etwa Fee und Reh - öfter richtig ankreuzen. In einem Raum mit optimierter Akustik konnten Schüler Laute um zehn Prozent besser unterscheiden als bei den üblichen Hintergrundgeräuschen.
Fremdsprachler und Hörgeschädigte haben Nachteile
Was das Satzverstehen angeht, ergaben sich zwischen Klassen mit mehr und weniger Hall zwar keine frappierenden Unterschiede. Aber die Wissenschaftler vermuten, dass die Tests einfach zu kurz waren. Die erhöhte Anstrengung beim Zuhören würde sich erst bei längerer Dauer bemerkbar machen.
Besonders nachteilig ist eine schlechte Raumakustik für Schulanfänger mit nicht-deutscher Muttersprache, bei Hörstörungen, Sprachentwicklungsverzögerungen oder Lernbehinderungen. Lärm beeinträchtig aber nicht nur die kognitiven Leistungen, sondern auch das Schulklima.
Die Stuttgarter Untersuchung offenbarte, dass Kinder aus hallenden Klassenräumen ihre Mitschüler öfter als sehr laut empfinden, häufiger ermahnt werden, leiser zu sein und ihre Umgebung in der "Stillarbeitszeit" seltener als wirklich still bewerten.
Lehrer sind häufiger krank
Die Eltern monierten häufiger, dass ihr Kind unter dem Lärm von Mitschülern leide, wenn die Nachhallzeit des Klassenraumes lang war. Die Folgen miserabler Raumakustik sind bekannt: Lehrer, die die Stimme heben und oft etwas wiederholen müssen, sind häufiger krank.
Kinder werden wegen lärmendem Verhalten mehr getadelt. "Darunter leiden die sozialen Beziehungen und die sind eine wesentliche Determinante der Schulleistung", sagt Klatte.
Da man Lärm und Nachhall gut reduzieren kann, fordern Experten seit langem, in Schulen mehr für die Raumakustik zu tun. Am besten wirken schallabsorbierende Deckenverkleidungen, so genannte Akustikdecken, gegen Nachhall.
Spezielle Fragen lassen sich im Oldenburger Simulator bearbeiten: "Dort variieren wir raumakustische Parameter und überprüfen die Auswirkungen", sagt Markus Meis vom Hörzentrum Oldenburg. "Stärker als vermutet nimmt bei schlechter Akustik mit der Entfernung vom Sprecher die Verständlichkeit ab."
Kann man Schall nicht ausreichend dämpfen, helfen manchmal elektroakustische Anlagen. Sie verstärken Sprachsignale von Lehrern und Schülern und verteilen sie per Lautsprecher im Raum. Da solche Anlagen den Lärmpegel aber eher erhöhen und die Mängel des Raums nicht verbessern, sind sie für Nocke und Meis nur ein Notfallplan.
Quelle: Süddeutsche Zeitung 2.9.2006
Wenn Kinderkrach krank macht
LärmAmpeln sollen Ruhe in Lippes Grundschulen bringen
Es gibt nichts Schöneres als Kinderstimmen, sagen die Einen. Doch wenn Kinder auf Dauer lärmen, kann es auch krank machen. "Immer mehr Schüler, Lehrer und Erzieher leiden unter Ohrgeräuschen." berichtet Dr. Manfred Pilgramm, Detmolder HNO-Arzt und Leiter des Tinnitus-Zentrums. Mit dem Schulpsychologen Dr. Josef Hanel hat Pilgramm deshalb das Projekt LärmAmpel initiiert.
Grün - Gelb - Rot: Steigt der Geräuschpegel in einem Raum an, dann wechselt auch die Ampel ihre Farbe. Ein rotes, trauriges Gesicht zeigt den Kindern an, daß sie deutliche zu laut sind. Zugleich ertönt ein akustisches Signal um auch die Aufmerksamkeit des letzten Geräuschemachers zu erlangen.
Erste Erfahrungen mit der in Süddeutschland hergestellten Lärmampel zeigen, daß ihr Einsatz den Krach im Klassenzimmer deutlich reduzieren kann. Und das ist auch dringend von Nöten, denn Werte von 85dB - wie sie Pilgramm auch beim letzten Länderspiel Deutschland - Schweden ganz aktuell am Mittwochabend maß - sind in einer Klasse keine Seltenheit: " In der Industrie würde das als Lärmarbeitsplatz gelten, Gehörschutz wäre Pflicht", unterstreicht HNO-Arzt Dr. Gerd Borkowski. Zudem werde nicht nur das Gehör, sondern auch die Stimme in Mitleidenschaft gezogen, wenn ein Pädagoge permanent gegen eine Geräuschkulisse anbrüllen müsse, ergänzt Pilgramm.
Dem Schulpsychologen Hanel geht es nicht allein um Gesundheitsprophylaxe, er möchte ein bessere Lernatmosphäre schaffen. Denn Krach geht auch zu Lasten der Aufmerksamkeit: "Lärmempfindliche Kinder benötigen viel Energie, um den Krach zu verarbeiten. Die sind dann um 11 Uhr mit ihrer Konzentration am Ende", sagt Hanel. In einer ruhigeren Umgebung aber, könnten die Kinder mehr lernen, die Zufriedenheit bei Kindern und Lehrern steige. Knapp 500 Euro kostet eine Lärmampel. Ausgestattet werden mit je einem Gerät 14 Detmolder Grundschulen. Pilgramm hat mit der Innungskrankenkasse (IKK) und dem Hörgerätehersteller Audio Service, der zur Siemens-Gruppe gehört, zwei namhafte Sponsoren mit ins Boot geholt, eine Anschubfinanzierung leistete er mit Geldgeschenken, mit denen Gäste ein überdimensionales Spender-Ohr anlässlich seines 50. Geburtstags fütterten.
Neben der Ampel erhalten die Pädagogen auch Informationsbroschüren und Anregungen wie sie das Thema Hören und Lärm in den Unterricht einbauen können. So sind beispielsweise Stilleübungen und Kommunikationstrainigs dazu geeignet Kinder für Themen rund ums Ohr zu sensibilisieren.
Der Probelauf mit den Detmolder Schulen startet Anfang September. "Ob die Lärmampeln wirklich ihren Zweck erfüllen, wollen wir dann innerhalb der nächsten 10 Wochen untersuchen", sagt Pilgramm. 14 Grundschulen dürften dabei schon aussagekräftige Ergebnisse liefern. Anhand eines Fragebogens werden die Lehrer wöchentlich zu ihren Erfahrungen in der Praxis befragt. Hanel geht davon aus, daß auch die Universität Bielefeld das Projekt wissenschaftlich begleitet. Hinzu kommen regelmäßige Lärmmessungen in den Klassen.
Pilgramm hofft sehr, daß das Projekt "Lärmampel", auf das er vor einiger Zeit in Schulen in Hiddenhausen (Kreis Herford) aufmerksam geworden war, auch im Kreis Lippe erfolgreich ist. Dann nämlich sollen auch alle anderen Grundschulen im Kreisgebiet mit derartigen Geräten ausgestatten werden.
Dafür muß er dann jedoch noch kräftig die Werbetrommel rühren. "Ich gehe davon aus, daß sich Firmen finden, die die Lärmampeln spenden. Platz für ein Firmenlogo ist auf jeden Fall da", sagt Pilgramm augenzwinkernd.
Quelle: Lippische Landes-Zeitung 18.8.2006
Weniger Krach im Klassenzimmer
Lärmampel misst Geräuschpegel - Pilotprojekt an Grundschulen in OWL
Wenn die Lärmampel auf Rot schaltet, ist es im Klassenzimmer bereite zu laut. Das 400 Euro teure Gerät soll wie ein erhobener Zeigefinger wirken und den Geräuschpegel in 14 Grundschulen in Detmold, Lemgo und Horn-Bad Meinberg senken helfen.
"Immer mehr Kinder haben Probleme mit Geräuschen im Ohr", sagte der Leiter des Tinnitus Zentrum Detmold, Manfred Pilgramm, dieser Zeitung. Mit dem
Schulpsychologischen Dienst der Stadt hat er das Projekt "Lärmampel" ausgearbeitet. Vertreter der 14 Grundschulen holen sich die Geräte, die wie eine Verkehrsampel aussehen, am 31. August bei der Bezirksregierung Detmold ab und setzen sie zweieinhalb Monate lang in den Klassen ein.
Lehrer protokollieren jede Woche ihre Erfahrungen, zudem wird der Lärmpegel vor und Bach der Projektphase gemessen. In Schulen soll es nach Möglichkeit nicht lauter als 55 Dezibel sein, der gehörgefährdende Wert liegt bei 75 Dezibel. Ein Schallpegel auf diesem Niveau sei in Klassenräumen "durchaus normal", haben Pilgramm und Schulpsychologe Josef Hanel beobachtet. Damit die Lehrer in den letzten Reihen verstanden werden, müssten sie nicht selten noch lauter sprechen. Hanel: "Bei 85 Dezibel spricht man in der Industrie von einem Lärmarbeitsplatz, an dem Gehörschutz Pflicht wäre."
Die Lärmampeln der Firma Org-Delta im schwäbischen Reichenbach können auf einen Grenzwert eingestellt werden und schlagen optisch und akustisch Alarm, wenn er überschritten wird. Ähnliche Ampeln gibt es bereits in den Kreisen Herford und Paderborn. Anfang Mai brachte die Herforder Firma "easyplay" von Michael-Matthias Pohl, Gitarrist der Band "Mungo Jerry", entsprechende Geräte für Grundschulen und Kindertagesstätten auf den Markt. Schnell gingen für das "pädagogische Hilfsmittel" mehr als 100 Bestellungen ein. Eingesetzt werden die Ampeln zum Beispiel in Schulen in Hiddenhausen.
Im Kreis Paderborn schaffte der Förderverein der katholischen Grundschule Nordborchen eine Lärmampel an, um die Kinder für ungesunden Lärm sensibel zu machen. Handelt es sich hierbei noch um Einzelfälle, möchten Pilgramm und Hanel mittelfristig die Lärmampeln im Kreis Lippe flächendeckend etablieren. Sie hoffen auf
Sponsoren aus der Wirtschaft. Die Innungskrankenkassen (IKK) und der Hörgerätehersteller Audio Service, der zum Siemens-Konzern gehört, hätten bereits ihre Unterstützung zugesagt, berichtete Pilgramm.
Lärm in der Klasse untergräbt nicht nur die Aufmerksamkeit und erschwert das Lernen, sondern belastet auch die Gesundheit der Lehrer. Häufige Heiserkeit und
Ohrgeräusche sind die Folgen. "Auch deshalb werden relativ viele Pädagogen arbeitsunfähig", sagte der Hals-Nasen-Ohrenarzt Pilgramm. Für Menschen mit
Hyperakusis (Lärmüberempfindlichkeit) sei die Geräuschkulisse in den Klassen eine Qual. Neben der Ampel erhalten die Grundschulen Broschüren und Tipps für die
Behandlung des Themas Krach im Unterricht. Außerdem raten Pilgramm und Hanel zu Stilleübungen und Kommunikationstrainings. Nach den Grundschulen sollen die Lärmampeln in den lippischen Kindertagesstätten Einzug halten.
Quelle: Westfalen-Blatt 22.8.2006